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NICOLE JANA, Sezessionspreisträgerin 2009
 

Geboren 1979 in Fulda, lebt und arbeitet in Berlin

Mitglied seit 2009, als sie den Preis der Darmstädter Sezession für Malerei erhielt

GESTEUERTE FORM
RUHENDE FARBE

Einen wichtigen, extrem zeitgenössischen Umgang mit Fragestellungen, die zum ersten Mal die Romantik aufgeworfen hat, sehe ich in Nicole Janas verblüffendem Umgang mit Leere, mit dem Abwesenden generell. Dies zeigt sich in der Konstruktion und der emotionalen Stimmung, die in den Werken eingefangen wird. Ein romantisches Element wird befördert durch den Umgang mit Farbe, Licht, Spiegelungen, generell mit optischen Atmosphären.


«Rotarium» 2010
Holz, Acrylfarbe, Lack, Höhe 3 cm, Durchmesser 117 cm


Es ist jedoch nicht das, was man gemeinhin mit ‚romantisch’ apostrophiert, sondern es sind eher die tieferen zivilisatorischen Konflikte, das gebrochene Verhältnis zwischen Natur und Kultur, das die Romantik erstmals thematisiert hat. In Nicole Janas Arbeiten zeigt sich dies in Momenten des Chaotischen, des punkigen Trash, des Schönen und zugleich Beunruhigenden, was in ihren Malereien und Skulpturen zum Vorschein kommt. Momente des Formlosen treffen mit aufmerksamer Genauigkeit des so Geformten zusammen, verdichtet und konzentriert. Aufgrund ihrer Intensität wirken selbst kleinste Skulpturen weit über ihre physische Größe hinaus, gewinnen in der Vorstellung eine neue Dimension.


Aus der Serie der «Self reflectingslandscapes - Kleine grüne Heiterkeit»
2010, verzinkter Stahl, Acrylfarbe, 13 x 10 x 10 cm

Souverän verarbeitet Nicole Jana minimalistische und körperzentrierte Traditionen, beispielsweise Richard Serra, aber auch Bruce Nauman oder Louise Bourgeois, und schließlich, nicht zu vergessen, Momente der Beuys’schen Natur-Romantik. Es ist jedoch keinesfalls eine Verarbeitung, die in ein eklektisches Sampling oder ein vertrauensvoll unbedarftes Weiterführen mündet. Im Gegenteil, ihre Arbeitsweise ist eher Paul Thek verwandt, der in seiner Auseinandersetzung mit Künstlerkollegen fremde Erfahrungen in den eigenen Werken pointiert auf den Kopf stellt, verrätselt oder ihnen verstörende Wendungen gibt – im übrigen ein Künstler mit ebenfalls einer ausgeprägt romantisch-kritischen Ader. Eine solche künstlerische Haltung verlangt eine enorme Dickköpfigkeit, Eigensinn und Unabhängigkeit. Nicole Jana gelingt es in ihrem künstlerischen Bezug zu etablierten Positionen einen zeitgenössischen Vektor zu brisanten Aspekten unseres Naturverhältnisses zu legen, gerade durch den ungewöhnlichen Umgang mit Werkformen und ästhetischen Mitteln der Realisation. ‚Natur’, der Körper, die Dimension des Gefühls lassen sich nicht mehr gleichsam unschuldig beschwören, sondern müssen in Parenthese evoziert werden, durch das Dickicht einer seltsamen Verschmelzung von metaphysisch-transzendenten Momenten und dem gesellschaftlichen Debris von Naturverarbeitung. Faszination und Abscheu haben eine historisch kenntliche Basis und bilden ein enormes Spannungsverhältnis, werden so konfiguriert, dass ein Auseinanderfallen in einerseits melancholische Destruktionssucht und andererseits idealisierende Überhöhung durch die spezifische Konzentriertheit jedes einzelnen Werks vermieden wird.

Diese Insistenz auf ein Aushalten der Spannung, eine widerständige Energie also, zeigt sich auch in den Titeln für ihre Arbeiten. Manche beschreiben einfach Arbeitsverfahren, andere jedoch sind luzide poetische Einfälle.

Man muss Nicole Janas Objekte körperlich direkt vor Augen haben, Abbildungen können den intensiven Eindruck kaum wiedergeben.

Ursula Panhans-Bühler


Aus der Serie der «Self reflecting landscapes - Swimming into three directions»
2010, verzinkter Stahl, Acrylfarbe, 70 x 5 cm

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[03.08.2011]
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