Die 35. Jahresausstellung der Darmstädter
Sezession ist 2009 mit einem Jubiläum
verbunden. Vor 90 Jahren, am 8. Juni
1919, wurde diese traditionsreiche Künstlervereinigung
in unserer Stadt gegründet
als Ausdruck kritischen Geistes in Kunst und
Literatur. Mit ihrer Neugründung 1945 hat
sie diesen Anspruch erneuert. Noch heute
steht sinnbildlich dafür das Signet des Bogenschützen.
Dieses Jubiläum gilt es deshalb in diesem
Jahr gebührend zu würdigen, vor allem
durch den Mitgliederkreis selbst, der aktuell
110 Künstlerinnen und Künstler aus ganz
Deutschland umfasst. Sie werden sich in
der Gesamtheit ihrer künstlerischen Vielfalt
als «Kritische Masse», so der Titel der
Ausstellung, mit ihren Werken und in allen
Gattungen präsentieren und damit auf den
Ursprung ihrer Vereinigung bildhaft verweisen.
Dabei darf auch der künstlerische
Nachwuchs nicht fehlen. Mit der Schau der
Bewerber um den Preis der Darmstädter
Sezession für junge Künstler ist die Tür in die
Zukunft geöffnet.
Das war auch zur Gründungszeit der
Darmstädter Sezession nicht anders. Es
waren junge Künstler, wie Kasimir Edschmid
und Carl Gunschmann, Max Beckmann,
Bernhard Hoetger, Ludwig Meidner oder
Carlo Mierendorff, um einige der bekanntesten
Namen zu nennen, die den Aufbruch
in die Zukunft im Jahre 1919 wagten und
postulierten. Sie setzten sich auch für politische
Ziele ein, ohne ihre eigenen künstlerischen
Interessen zurück zu nehmen. Claus
K. Netuschil bezeichnet die Künstlervereinigung
in seinem Text von 1997 über die
Gründung der Darmstädter Sezession «als
Sammelpunkt der progressiven Kräfte der
Kunstszene in Darmstadt», die Darmstadt
nach dem Ersten Weltkrieg erneut zu einer
überregionalen Bedeutung als Kunststadt
verhalfen. Unter ihnen waren nicht wenige
Künstler, die einen wesentlichen Beitrag zur
deutschen Kunstgeschichte geleistet haben.
An diese große Bedeutung ist in diesem Jubiläumsjahr
ebenso nachhaltig zu erinnern
wie an die erste Sezessionsausstellung in
der Darmstädter Kunsthalle im September/
Oktober 1919, von der ein großer Bogen
bis zur 35. Jahresausstellung 2009 im
Ausstellungsgebäude der Mathildenhöhe
gespannt werden kann. Große Traditionen
brauchen wirkungsvolle Orte, um sich in
ihrer Fortsetzung weiterhin entfalten zu
können. Die Förderung durch die Stadt
Darmstadt ist Dank und Unterstützung für
einen beständigen und wichtigen Beitrag
zum kulturellen Leben, auf den wir auch in
Zukunft nicht verzichten wollen.
Ich gratuliere dem Vorstand und dem
Mitgliederkreis der Darmstädter Sezession
herzlich zum Jubiläum und wünsche ihr eine
gute Zukunft sowie eine erfolgreiche Ausstellung
2009.