Franz Martin Olbrisch / robotlab / Johannes S. Sistermanns / Manos
Tsangaris
"unter strom" in der Kunsthalle Darmstadt präsentiert
Klangskulpturen, Roboter-Installationen und multimediale Projekte. Die
Ausstellung erfaßt zwei Impulsrichtungen:
Zum einen greift die Kunst massiv in den Raum ein. Sie markiert und durchdringt
Areale der Kunsthalle durch Klänge und Bewegungen. Thom Kublis
Installation aus tönenden Gelatineblöcken simuliert
akustisch eine Skate-Bahn, Ursula Haupenthals metallene Plastiken erzeugen
ein ,surrealistsches' Klanggemälde, das an elektronisch erzeugte
Töne erinnert. Ange Leccias "Lolita" bringt Industrie-Design
,zum Klingen'. Motorräder, die Musiksequenzen aussenden, stehen für
bedrohliche Triebwelten und die weltberühmte Figur der erotischen
Kindfrau. Der bewegliche Robot der Gruppe f18 erobert sich sämtliche
Terrains und setzt beispielsweise dem Betrachter nach.
Zum anderen dringt der Betrachter wortwörtlich in die Welten der
Kunst ein. Seine Anwesenheit ,schaltet' die Beleuchtung der Guckkästen
von Manos Tsangaris ein, sein Konterfei wird vom Zeichenrobot der Gruppe
robotlab in bildnerische Kompositionen eingebunden. Beim "Elfenscanner"
von Agnes Meyer-Brandis dringt der Besucher virtuell in feste Materie
ein, in steinerne Bohrkerne, und erblickt Szenen einer ironisch-phantastischen
Welt von Elfen und Elementarwesen. Kirsten Geislers "Virtual"
zeigt eine lebensgroße Kunstfigur, mit der der Betrachter in realistischem
Sinne sprechen kann, die sich zu einer Vielzahl von ,lebensechten' Reaktionen
verleiten läßt.. Bei der Arbeit von Franz Martin Olbrisch begibt
er sich in ein Zelt, wie es Obdachlose etwa in den USA bewohnen, und erlebt
durch eingebundene Projektionen eine - global durchaus aktuelle - Konfrontation
von Elend und High-Tech. Johannes S. Sistermanns´ Installation versetzt
den Besucher der Kunsthalle wortwörtlich in das Innere eines Klaviers,
das mit überlängten Saiten und schwebenden Klangquellen den
gesamten Raum ergreift.
Der Betrachter wird bei "unter strom" zu einem Relais zwischen
Außen- und Innenraum. Er agiert und reagiert, setzt ein System von
Rückkopplungen in Gang und erlebt, wie sich das Postulat einer betrachterorientierten
Kunst wortwörtlich im Raum verwirklichen läßt.
Das Projekt ist eine Zusammenarbeit mit dem Internationalen Musikinstitut
Darmstadt (IMD) im Rahmen der "Internationalen Ferienkurse für
Neue Musik". Das IMD wird während der Ausstellung eine
Reihe von Veranstaltungen in der Kunsthalle präsentieren.