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Ausblick Genforschung
 
Man weiß heute noch sehr wenig über die Erbanlagen, die das Körpergewicht beeinflussen. Unter Umständen sind mehr als 100 Erbanlagen hierbei von Bedeutung. Manche dieser Erbanlagen haben einen stärkere Auswirkung, andere hingegen eine eher geringe. Übergewicht kommt insbesondere dann zustande, wenn mehrere solcher Erbanlagen bzw. Genvarianten vorliegen. Ganz allgemein könnten sich diese Erbanlagen auf die Nahrungsaufnahme, den Stoffwechsel und den Umfang der körperlichen Aktivität auswirken. Tatsächlich zeigen Zwillingsstudien, dass erbliche Faktoren unsere Geschmacksvorlieben ebenso wie unseren Energieverbrauch und das Bewegungsverhalten beeinflussen. Hieraus wird deutlich, dass die Erbanlagen offensichtlich zahlreiche Funktionen beeinflussen.

STÄNDIGES HUNGERGEFÜHL

Es ist heute bekannt, dass Veränderungen eines einzigen Gens, des Gens für das Hormon Leptin, zu Übergewicht führen. Durch Störungen der Leptinbildung entsteht ein ständiges Hungergefühl, und auch der Energieverbrauch wird beeinflusst, so dass ein stetiger Gewichtsanstieg die Folge ist. Bereits Kleinkinder weisen dann schon extremes Übergewicht auf. Solche Kinder beschäftigen sich über weite Strecken des Tages mit der Suche nach Eßbarem; die Eltern suchen verzweifelt nach Ursachen für dieses sehr auffällige Verhalten. Man hat diesen Kindern erfolgreich Leptin von außen zugeführt. Innerhalb von wenigen Tagen normalisierten sie ihr Essverhalten. Eine junge Patientin verlor in einem Jahr 17 kg, wobei das Leptin täglich unter die Haut gespritzt werden musste. Menschen, die solche Veränderungen (Mutationen) im Leptingen aufweisen, sind sehr selten.

Beim Menschen gibt es weitere Formen von Adipositas, die auf Veränderungen nur einer einzigen Erbanlage (dominant) bzw. eines Erbanlagenpaars (rezessiv) beruhen. Allerdings erklären derartige Fälle nur einen kleinen Teil aller Adipositasfälle.

WEITERE UNTERSUCHUNGEN FÜR NEUE THERAPIEANSÄTZE

Übergewicht resultiert weitaus häufiger aus dem Zusammenspiel mehrerer Erbanlagen.- Sicherlich werden wir durch die molekulargenetische Forschung innerhalb der nächsten Jahre einen wesentlichen besseren Einblick in die Regelkreise erhalten, die unser Körpergewicht beeinflussen. Weitere Erbanlagen, die zur Entwicklung von Übergewicht prädisponieren, werden identifiziert werden. Es wird zu prüfen sein, inwieweit sich aus dieser Forschung auch neue Therapieansätze ergeben.

Die Zukunft wird auch zeigen, wie stark bei einer einzelnen Person der erbliche Einfluss auf das Körpergewicht ist. Man kann jetzt schon sagen, dass er bei bestimmten Personen sehr, bei anderen weniger stark sein dürfte. Die heutige Forschung legt nahe, dass Kinder besonders stark bei gegebener erblicher Neigung mit Übergewicht reagieren. Erwachsene können möglicherweise im Gegensatz zu Kindern stärker durch ihren Willen und ihre Vernunft das Körpergewicht beeinflussen. Erwachsene erleben auch die Nachteile von Übergewicht stärker als jüngere Kinder. Zudem können Erwachsene kraft ihres Willens versuchen, ihre Lebensgewohnheiten zu ändern. Kinder brauchen hierbei mehr Hilfe und feste Vorgaben.


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