American Dietetic
Association
Pediatric
Manual of Clinical Dietetics 1998
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| Wann behandeln |
Die Ernährungsintervention erfolgt nach einem
Ernährungsscreening und der Stellung der Diagnose Übergewicht oder
Adipositas beim Kind oder Jugendlichen. Die Ernährungsintervention ist
indiziert für übergewichtige oder adipöse pädiatrische Patienten mit
endokrinen, orthopädischen oder pulmonalen Störungen, genetischen
Syndromen bzw. sekundären Gewichtszunahmen als Folge von medizinischen
/pharmakologischen Therapien. Bei adipösen
und übergewichtigen Kindern und Jugendlichen, die noch nicht ihren
Wachstumsschub durchlaufen haben, sollte die Intervention auf eine
Drosselung bzw. einen Stopp der Gewichtszunahme zielen und nicht auf
Gewichtsabnahme, um ein für die Körperhöhe adäquates Gewicht zu
erreichen. Bei Jugendlichen, die den Wachstumsschub bereits durchlaufen
haben, müssen aggressivere Maßnahmen im
Sinne von Ernährungs- und körperlichen
Aktivitätsprogrammen eingeleitet werden. |
| Ziel
der Behandlung |
Die Förderung einer gesunden Lebensweise wird dem Kind
helfen, das erwünschte Körpergewicht zu erreichen und beizubehalten. Eine ausgewogene Diät, regelmäßiges
Ausdauertraining und Selbstkontrolle sind essentielle Bestandteile eines
Interventionsprogrammes, das häufige und langfristige Überwachung durch
eine Diätassistentin und einen Kinderarzt/ärztin beinhaltet. Die
Gewichtsnormalisierung bei Kindern ist so zu gestalten, dass eine
langsame Gewichtsabnahme und/oder Gewichtsstillstand erzielt werden,
wobei aber die Nährstoffe, die notwendig sind, um Wachstum und
Entwicklung zu fördern, zugeführt werden müssen. Gewichtsabnahme ist
nicht so wichtig wie Verhinderung einer weiteren Gewichtszunahme. Für
Kinder, die von einer Gewichtsabnahme profitieren können, ist eine
Gewichtsabnahme von 0,9 kg pro Monat unbedenklich. |
| Verhaltens-orientiert |
Ein familiärer Ansatz, im Rahmen dessen Eltern lernen, das
Kind oder den Jugendlichen zu unterstützen, ist ein essentieller
Bestandteil eines erfolgreichen Gewichtsmanagements.
Schlüsselkomponenten beinhalten Ernährungsunterricht und
Veränderungen in der häuslichen oder schulischen Umgebung. Ferner
sollte die Motivation des Kindes, sein Verhalten zu ändern, durch
vorbildhaftes Verhalten der Eltern und durch Absprachen
gefördert werden. Wenn die ganze Familie die körperlichen Aktivitäten
mitmacht und das Kind in seinem Programm unterstützt, so wird dies die
Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass das Kind lebenslang aktiv bleibt. Das
Setzen von zeitlichen Beschränkungen für Fernsehkonsum oder
Computergebrauch ermöglicht es, körperliche Aktivitäten in den
Tagesablauf einzuplanen. |
| Aktivität |
Das Entwickeln eines körperlichen Aktivitätsprogrammes ist
ein essentieller Bestandteil eines Gewichtsmanagementprogramms. Aktive
Tätigkeiten können Stunden an Fernsehen, Videospielen und
Computergebrauch ersetzen. Die Verwirklichung eines körperlichen
Aktivitätsprogrammes, das sowohl intensiv
als auch häufig durchgeführt werden
soll, muss persönliche, familiäre und gesellschaftliche Barrieren
überwinden. Ziele für die körperliche Aktivität sollten mind. 4x
wöchentl. ein 30minütiges Ausdauertraining mit zusätzlichen Aufwärm-
und Erholungsphasen beinhalten. |
| Diät |
Mit dem Patienten und der Familie sollten Problembereiche der
Ernährung identifiziert werden, um danach Zielsetzungen zur Veränderung
zu erarbeiten. Die Diäten sollten auf den „Dietary Guidelines for
Americans“ basieren; die Energeiaufnahme sollte ausreichend sein, um das
Wachstum zu unterstützen. Die Aufnahme kalorienfreier Getränke,
fettfreier Backgüter und Süssigkeiten sollte
begrenzt werden. Dagegen sollte der Anteil von Vollkornprodukten,
frischem Obst und Gemüse erhöht werden. Ernährungserziehung
einschließlich dem Planen von Mahlzeiten,
Restaurant- und Imbißbesuchen, dem Essen mit gleichaltrigen, sowie das Analysieren der
Nahrungszusammensetzung (auch das Lesen von Nahrunsinformationen auf
Produkten) und das Üben von sinnvollem Einkaufen sollen Diskussionen
fördern und das Problem lösen helfen. |
| Andere |
Das Ausmaß 1) der Veränderung der Energie-
und Nährstoffaufnahme, 2) der Häufigkeit und Intensität von körperlicher
Aktivität, 3) der elterlichen Beteiligung und
4) der kognitiven Verhaltenstherapie ist abhängig von dem medizinischen
Zustand und Alter des Kindes, dem Grad des Übergewichtes und psychosozialen
Faktoren. Es ist wichtig, die kindliche und familiäre
Wahrnehmung der Adipositas zu verstehen. Ferner ist von Bedeutung, ob das
Übergewicht chronisch oder das Resultat einer Krise oder der Dynamik des Lebensstils
der Familie ist. Pädiatrische Patienten mit
extremer Adipositas (> 140% des durchschnittlichen Körpergewichtes für
gegebene Größe) können von kurzfristigem, medizinisch überwachtem, modifiziertem
Fasten profitieren, bei dem ausreichend Proteine zugeführt werden.
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