Der Autor meint es gut mit seinem Ich-Erzähler. Er reicht ihm eine edle italienische Bratsche, stattet ihn mit Geist und Musikalität aus, kreis-und-quadratlässt ihn in England ein neues Leben beginnen, wohlwissend, dass es das nicht gibt, und stellt ihm zudem mehr Geld zur Verfügung, als ein Mensch ausgeben kann.

Ein Leben ohne Not aber ist nicht denkbar und ein Leben ohne Notizen auch nicht. So beginnt die Ich-Figur mit dem Abfassen ihrer »Englischen Überlegungen«, die auf verborgene Weise die Möglichkeit bieten, von sich selbst Notiz zu nehmen.

Am Ende allen Spiels, aller Betrachtungen, sehen wir einen Menschen, der dabei ist, sich auf die Spur zu kommen, und eine Vorstellung davon entwickelt, was unser wirkliches Kapital ist.

Rainer Wieczorek, geboren  in Darmstadt, lebt dort mit seiner Frau und seiner Tochter. Eineinhalb Jahrzehnte gestaltete er gemeinsam mit Andreas Müller das Programm des Darmstädter Literaturhauses. Große Aufmerksamkeit erfuhren seine Künstlernovellen, mit denen er auf dem internationalen Literaturfestival »Sprachsalz« in Hall/Tirol gastierte. Für sein Werk, das ausschließlich im Dittrich Verlag erscheint, erhielt er mehrere Literaturpreise, zuletzt den Martha-Saalfeld-Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz für »Kreis und Quadrat.«



Rainer Wieczorek zu Kreis und Quadrat // Video von Rainer Lind

+++ Deutschlandfunk Kultur — 23.8.17, 21.30 Uhr: »Die Störung oder Wie Beckett die Maulwürfe vergiftete« (=Hörspielfassung der »Tuba-Novelle«) +++