r-w-pirmasens

Ein halbes Jahrhundert ist vergangen seit den Anfängen der Deindustrialisierung in Deutschland.

Rainer Wieczorek öffnet in seiner Novelle Pirmasens seinem »Personal« – begleitet von der Künstlerin Serena Amrein – ein letztes Mal die Räume einer stillgelegten Schuhfabrik. Er lässt seine Leute die Atmosphäre jener Stadt aufnehmen, die einst die höchste Millionärsdichte der alten Bundesrepublik aufwies. Die Freiheitsträume dieser Zeit leben auf, wenn etwa die Pirmasenser Hein & Oss Kröher auf der Burg Waldeck internationale Liedermachertreffen organisieren, wenn im SWF-Popshop die Anti-Hits aus Deutschland erklingen, wenn in den USA Leute wie John Coltrane zur Jazz-Ikone werden.

Er lässt seine Figuren aber auch die Angst der Arbeitenden vor dem Verlust ihrer Existenzgrundlage spüren.

Das Ende einer Epoche wird wahrnehmbar.

»Das Wunder ist, dass Wieczorek für diese raffinierte Konstruktion kaum mehr als hundert Seiten braucht. Als ausgefuchster Stilist setzt er jedes Wort mit Bedacht, und mit dieser äußersten Ökonomie schafft er zugleich eine staunenswerte Leichtigkeit des Erzählens.«

Johannes Breckner, Darmstädter Echo

Wieder handelt es sich um eine wendungsreich und doppelbödig erzählte Künstlernovelle, für die der Autor mittlerweile in der jüngsten deutschen Literatur als der Spezialist gilt. […] Es zeichnet Wieczoreks Kunst aus, dass er ein außer Mode geratenes Genre wie die Künstlernovelle nicht nur aufgreift und oberflächlich aktualisiert , sondern von der Schreibweise her erneuert.

Willi Huntemann, literaturkritik.de