“Anfang der Siebziger war im Hochschulbetrieb einiges im Umbruch: Die Werkkunstschule wurde 1971 unter das Dach der Fachhochschule Darmstadt gepackt, was personelle wie studienstrukturelle Veränderungen mit sich brachte. Heinz Habermann wurde in der Zeit von 1971 bis 1984/85 Dekan des Fachbereichs.

Mit der Konzentration auf die Studienrichtungen Industrie-Design und Kommunikations-Design wurde auch eine inhaltliche Neuausrichtung notwendig. Mit seinen Kollegen strebte Professor Habermann eine Ausbildung an, die sich an der konkreten wie zukünftigen designerischen Berufstätigkeit orientierte.

Er setzte durch, dass die Studierenden nicht nur vier bis sechs Wochen Praxiserfahrungen sammelten, sondern über ein ganzes Semester hinweg – hierfür wurden ein Praktikanten-Amt eingerichtet. Gleichzeitig wurde die Zusammenarbeit mit den Unternehmen gefördert, damit die jungen Formgeber Einblicke in Produktionsweisen von Firmen und Designbüros erhielten.

Gleichzeitig bemühte er sich um Kontakte mit ausländischen Hochschulen. So war es möglich, dass ungefähr ab dem Jahre 1980 jedes Semester ca 30 Studierende des Fachbereiches an einer ausländischen Hochschule für 1 oder 2 Semester studierten konnten. Die Designer sollten auch andere Kulturkreise kennen lernen, wissen, wie die Kollegen im Ausland arbeiten.“

Sibylle Maxheimer

 


In diesem Video skizziert Prof. Heinz Habermann seine Lehre

* “Professor Heinz Habermann unterrichtete zwischen 1967 und 2003 am Fachbereich Gestaltung auf der Mathildenhöhe. Der gelernte Kunsterzieher wurde 1938 im pfälzischen Großfischlingen bei Edenkoben geboren und war nach seinem Studium in Saarbrücken, Paris und Berlin zunächst drei Jahre Assistent bei Professor Oskar Holweck in Saarbrücken. Dort eignete er sich sein profundes Wissen um die „Grundlagen der Gestaltung“ an.”
Sibylle Maxheimer


Sehr geehrter, lieber Herr Lind,

entschuldigen Sie bitte, dass ich mich erst heute bei Ihnen melde, nachdem Sie mir einen weiteren Teil unserer gemeinsamen Arbeit zur Ansicht zugesandt hatten.

Also zunächst einmal folgendes: wenn Sie meine doch recht flapsige Art der Unterhaltung nicht stört, von mir aus können Sie alles so bringen, wie aufgezeichnet. Sie haben das ja auch wirklich sehr gut gemacht, mit den Bildwechseln, usw. Also von der Seite her keine Bedenken. Da lasse ich Ihnen freie Hand. Was mir etwas zu kurz kommt, befindet sich allerdings auf dem ersten Video, das Sie mir zugesandt haben.

Es geht dabei um die Studieninhalte meines Unterrichts. Da beschreibe ich, wie ich die Studierenden überzeugen konnte, sich mit den grundlegenden Parametern einer Designarbeit auseinanderzusetzen. Das eben neben der technischen Funktionalität (die übrigens auch eine kommunikative Arbeit auszeichnet / geht es z.B. um eine Maßnahme mit dem Ziel bei einer Zielgruppe eine Standpunktveränderung zu erreichen, so müssen die Betroffenen eben auch von ihrem bisherigen Standpunkt weggebracht werden), dass also neben der technischen Funktionalität auch die Bedienbarkeit, die Verständlichkeit, die Wirtschaftlichkeit, die soziale und ökologeiche Vertretbarkeit zu beachten sind.

Diese inhaltliche Veränderung habe ich um 1975 / 78 vorgenommen. Und jetzt kommt mein Einwurf: ich weiß nicht, ob ich das bei meinem Gespräch bei Ihnen so dezidiert gesagt habe:

vorher habe ich eine reine Itten-Grundlehre (eben in meiner Herkunft aus Saarbrücken bei Oskar Holweck und Boris Kleint, der noch bei Itten studierte) begründet, so übernommen und in Darmstadt bei meinem Anfang eben auch so unterrichtet.

In den Jahren 1975 / 78 kam es somit zu einem Wechsel von einer recht lupenreinen Bauhausgrundlehre / Itten zu einem doch recht eigenständigen und bis heute weitgehend alleinstehenden Grundlagenstudium. (Wenn Sie sich einmal im Internet kundig machen und nach Inhalten von Grundlagenstudien an Hochschulen /Inland / Ausland schauen, werden Sie immer noch auf Punkt Linie Fläche oder Farben usw. stoßen. Eine Auseinandersetzung mit den designrelevanten Grundlagen werden Sie bis heute nicht finden. Und ich denke, wir haben da in Darmstadt, für meine Zeit zumindest, etwas gemacht mit einem Alleinstellungsmerkmal.

Hier wäre vielleicht , so wie bei verschiedenen anderen Ansätzen in Ihrem Video auch gemacht haben, eine schriftliche Erläuterung sinnvoll und angebracht und würde den Wechsel von Bauhausgrundlagen zu Darmstadtgrundlagen etwas verständlicher machen.

Wie gesagt: ich überlasse es Ihnen, was Sie für als Tenor des Gespräches für sinnvoll halten und ob das Ganze für Sie oder für irgendjemanden überhaupt präsentabel sein kann.

Mit besten Grüßen, einigen ruhigen Weihnachtstagen und alles Gute für das Neue Jahr. Ich jedenfalls würde mich freuen, wenn wir uns im neuen Jahr wieder einmal zu einem Gedankenaustausch treffen könnten.

Ihr H. Habermann