PROGRAMM 2. HALBJ. 2015

FR 4. SEPTEMBER 2015
SOMMERFEST IM KENNEDYHAUS KÜNSTLERFILME UND MUSIK

Mehr als zwanzig Kulturvereinigungen birgt das Kennedyhaus, das 1994 als Literaturhaus in Darmstadt eingerichtet wurde. Bereits 1998 erhielt das Kunst Archiv Darmstadt e.V. seine Räume von der Stadt Darmstadt im ersten Stock des Gebäudes, das der Verein seitdem vor allem als Dokumentationsstelle, Bibliothek und Archiv, aber auch für seine vielbeachteten Ausstellungen und Veranstaltungen nutzt.

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Einmal im Jahr feiert das gesamte Literaturhaus ein Sommerfest, bei dem sich alle Vereine des Hauses präsentieren und das Programm gestalten. Am Freitag, den 4. September, ist es wieder so weit: von 16 Uhr bis 22 Uhr öffnen sich die Türen des Literatur- und Kunsthauses.

Um 16.30 Uhr wird der erste Vorsitzende Claus K. Netuschil im Kunst Archiv die Besucher begrüßen und einen Rück- und Ausblick auf die aktuelle Archivarbeit geben. In den frisch renovierten, leeren Räumen werden Filme von und über Künstler gezeigt. Martin Brüger stellt seine installativen Arbeiten vor und berichtet darüber, und Ralf Peters zeigt eine Auswahl seiner Videoarbeiten, die im letzten Jahrzehnt entstanden sind. Auch er stellt seine Arbeiten vor und kommentiert sie. Beide Künstler haben ihr Atelier in der Wackerfabrik. Für musikalische Unterhaltung sorgen Pablo und Rico Bischoff (Percussion und Gitarre) mit lateinamerikanischen Rhythmen. Ein genauer Terminplan der Programmabfolge liegt rechtzeitig im Kunst Archiv vor.

Beginn: 16.00 Uhr in den Räumen des Kunst Archivs bis ca. 22.00 Uhr Eintritt für alle Besucher frei, Spenden willkommen. Getränke und Snacks zu kleinen Preisen.


DO 17.9. – FR 9.10.2015
EINBLICK, NACHLÄSSE, SCHENKUNGEN UND ERWERBUNGEN

Für einen kurzen Zeitraum stellt das Kunst Archiv Dokumente und Kunstwerke aus Nachlässen aus, 130705-Bilderkammer 004die erst in diesem Jahr dem Kunst Archiv übereignet wurden. Parallel dazu gibt es eine kleine Vitrinen- Ausstellung, die herausragende Künstlerbücher aus dem Besitz des Kunst Archivs zeigt. Damit gibt die Vereinigung einen Einblick über die kontinuierliche Archivarbeit und die aktuell erweiterten Sammlungsbestände: Überraschungszuwächse aus zwei Jahrzehnten.

Zur Eröffnung mit einem Kurzvortrag, der die Exponate vorstellt und kommentiert, laden wir Sie sehr herzlich am Donnerstag, 17. September 2015 um 19.00 Uhr ein.

Beginn: 19 Uhr Treffpunkt: in den Räumen des Kunst Archivs Eintritt: frei, Spenden willkommen


SA 26. SEPTEMBER 2015
DARMSTADT LEBT. KUNST. POSITIONEN 2015 FÜHRUNG DURCH DIE AUSSTELLUNG

Das Kunst Archiv Darmstadt e. V. ist Mitveranstalter der ersten großen Gemeinschaftsausstellung mit der Darmstädter Sezession, dem BBK, der freien nicht gebundenen Künstler und der jungen Kunstszene um Earlstreet. In Anlehnung an den bewährten und schon historisch gewordenen Slogan „In Darmstadt leben die Künste“, der zur Zeit des Wiederaufbaus und in den Jahrzehnten danach das rege kulturelle Treiben in der Stadt treffend beschrieb, wird unter dem Motto „Darmstadt lebt. Kunst“ die Ausstellung organisiert, die mehrere Künstlergruppen und -vereinigungen zusammenführt. Das Projekt bündelt in einem breiten Überblick den aktuellen Stand der bildenden Künste in Darmstadt. Von den jüngsten Positionen führt der Weg über alle Kunstgattungen von Figur und Tafelbild, vom Gegenstandsbezug bis zur Abstraktion. Rund 40 Künstler zeigen ihre Arbeiten im Kontext der aktuellen Kunstszene.

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Claus K. Netuschil, der bei den Ausstellungsvorbereitungen zu „Darmstadt lebt. Kunst. Positionen 2015“ das Kunst Archiv vertrat, führt durch die Ausstellung und lässt die vielgestaltige zeitgenössische Kunstszene lebendig werden.

Beginn: 15.00 Uhr Treffpunkt: Eingang Designhaus Darmstadt, Eugen Bracht-Weg 6 Eintritt: 4,00 Euro, für Mitglieder frei


FR 9.10.– SO 11.10.2015
KUNSTREISE REGENSBURG ALTE UND NEUE KUNST IN DER DOMSTADT

Nicht nur der gotische Dom, auch die Geschlechtertürme und die Steinerne Brücke, ein technisches Meisterwerk seiner Zeit, zeugen von der Bedeutung, die Regensburg von der Römerzeit über das Mittelalter bis in die Reformationszeit hinein besaß. Regensburg war das Zentrum Bayerns, bevor München Hauptstadt wurde. Mit der Einrichtung des „immerwährenden Reichstags“ nach dem Dreißigjährigen Krieg blieb die Stadt an der Donau Zentrum der Diplomatie und entwickelte sich fortan auf kleinerer Flamme weiter. Für die Kultur und die Erhaltung der Stadt mit seiner mittelalterlichen Architektur war der politische Abstieg sicher von Vorteil – Regensburg konnte sein reiches historisches Erbe bis heute bewahren.

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An drei Tagen werden wir im Herbst die Sehenswürdigkeiten der Stadt erkunden, uns aber auch der aktuellen Kunst und Kultur zuwenden. Bereits auf der Hinfahrt ist ein Zwischenhalt in Neumarkt/ Oberpfalz im Museum Lothar Fischer geplant Die figürlich-abstrakten Skulpturen von Lothar Fischer (1933 – 2004) werden dort in der aktuellen Ausstellung mit den reduzierten Arbeiten des Stahlbildhauers Robert Schad (1953) in Beziehung gesetzt.

Neben der Besichtigung der Regensburger Sehenswürdigkeiten wie Dom, Rathaus und das barocke Kloster Sankt Emmeram, das heute als Schloss die Familie Thurn und Taxis bewohnt, steht weitere zeitgenössische Kunst auf dem Plan: ein Besuch im Atelierhaus „Andreas-Stadel“, mit 28 Ateliers das Zentrum der aktuellen Kunstszene in Regensburg, und die Ostdeutsche Galerie, deren beeindruckende Sammlung sich von Werken Lovis Corinths über Käthe Kollwitz, Ludwig Meidner und vielen anderen bis hin zu Anselm Kiefer und Sigmar Polke erstreckt. Die Reise führt auf der Rückfahrt über die Befreiungshalle in Kehlheim und findet ihren glanzvollen Abschluss im berühmten Kloster Weltenburg, deren Kirche, ein Wunderwerk des Rokoko, die Brüder Cosmas Damian Asam (1686–1739) und Egid Quirin Asam (1692–1750) einst ausgestaltet haben.

Es liegen bereits viele Anmeldungen vor, wir führen eine Warteliste


SO 25.10. – APRIL 2016
AUSSTELLUNG: DIE DACHSTUBE / DAS TRIBUNAL SPÄTEXPRESSIONISMUS IN DARMSTADT

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© Dokumentation zum Darmstädter Expressionismus; Sammlung Claus K. Netuschil

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© Dokumentation zum Darmstädter Expressionismus; Sammlung Claus K. Netuschil

In seinen neu renovierten Räumen im Kennedyhaus zeigt das Kunst Archiv eine umfangreiche Ausstellung, die an die Anfänge des Spätexpressionismus in Darmstadt erinnert. Die Geschichte der Gründung ist atemberaubend in ihrer Kuriosität und Einmaligkeit im Kontext des Deutschen Expressionismus: Fünf Schüler des Ludwig-Georgs-Gymnasiums gründeten vor 100 Jahren, am 6. August 1915 die Vereinigung „Die Dachstube“. Neben Joseph Würth, dem späteren Druckerverleger und Inhaber des Darmstädter Verlages, gehörten F. C. Lehr, Ludwig Breitwieser, Karl Roller und Ernst Müller zu den Gründungsmitgliedern. Am Gründungstag erschien das erste Flugblatt gleichen Namens, das bis 1918 stolze 65 Ausgaben vorlegte.

Der Kreis um die „Dachstube“ vergrößerte sich zu einer Gruppe mit erstaunlicher Konzentration lyrischer und bildkünstlerischer Begabungen, zu denen Leonhard Schüler, Theodor Haubach, Hans Schiebelhuth, Carlo Mierendorff, Carl Gunschmann, Herman Keil u.a. gehörten. Auch die älteren Darmstädter Schriftsteller Kasimir Edschmid und Wilhelm Michel sympathisierten mit der „Dachstube“ und arbeiteten mit. Nach dem Ende des Flugblattes „Die Dachstube“ – parallel erschienen zahlreiche Einzelpublikationen, handgedruckt mit originalgraphischen Illustrationen, bibliophile Drucke in kleinen Auflagen, die alle in der Ausstellung zu sehen sind – gab Carlo Mierendorff von 1919 bis 1921 die politisch orientierte Zeitschrift „Das Tribunal“ heraus, in dem die wichtigsten geistigen Köpfe Deutschlands zu Wort kamen und das zeitweise als Organ der europäischen Clarté-Bewegung fungierte.

Das erklärte Ziel Mierendorffs und seiner Freunde war, die Kunst und die Literatur zu revolutionieren und die Welt mit neuen politischen Ideen zu verändern. Als eins der wichtigsten politischen Ziele des Tribunal-Kreises galt das Erreichen eines geeinten geistigen Europas. Die Dachstuben- und Tribunalmitglieder gehörten fast alle 1919 auch zu den Mitbegründern der „Darmstädter Sezession“, einer westdeutschen Künstlergruppe, die als Sammelpunkt aller progressiven künstlerischen Kräfte nach dem Ersten Weltkrieg Darmstadt noch einmal zu überregionaler Bedeutung als Kunststadt führte.

Anders als die Mitglieder der nur wenige Jahre vorher aufgelösten Künstlerkolonie, stammte der größte Teil der Akteure dieser jungen Expressionisten aus Darmstadt und der näheren Umgebung. Mit dieser Ausstellung wollen wir den sehr eigenständigen Beitrag dieser Stadt zum expressionistischen Jahrzehnt in Deutschland würdigen.

Ausstellungseröffnung: 11 Uhr Treffpunkt: in den Räumen des Kunst Archivs Eintritt: frei, Spenden willkommen


SA 7. NOVEMBER 2015
ATELIERBESUCH: KLEINSCHE HÖFE DANIELA GINTEN UND UWE WENZEL

Immer wieder wechseln die Künstler, die in den Kleinschen Höfen arbeiten. Seit 2010 hat Daniela Ginten, Mitglied der Darmstädter Sezession, ihr Atelier in dem zentral gelegenen Häuserkomplex, in dem sich gleich mehrere Kreative eingemietet haben. Nach einem Studium der freien Malerei bei Prof. Markus Lüpertz an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und an der Hochschule der Künste in Berlin als Meisterschülerin von Prof. Raimund Girke, war sie europaweit im Bereich Ausstellungsorganisation und als Kuratorin tätig. Seit einigen Jahren wendet sie sich wieder intensiv der Malerei zu, vor allem der Landschaftsmalerei. Ihr besonderes Interesse gilt derzeit dem Thema Wasser.

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Uwe Wenzel, der in den achtziger Jahren Bildende Kunst an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz studierte, ist schon länger in den Kleinschen Höfen tätig. Er leitet nicht nur die Kunstwerkstatt mit Kursen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, sondern arbeitet dort in seinem eigenen Atelier in den Bereichen Objektkunst, vor allem aber Malerei und Druckgrafik. Neben diesen Arbeiten auf Papier gibt Uwe Wenzel einen Einblick in seine Tätigkeit als Glaskünstler (Ausgestaltung von Kapellen), indem er einige Glasbilder vorstellt und ihren konzeptionellen Zusammenhang erläutert. Die Ateliergespräche führt Claus K. Netuschil, wir bitten um Voranmeldung im Kunst Archiv.

Beginn: 15 Uhr Treffpunkt: Kleinsche Höfe, Hügelstraße 87 Eintritt: 5 Euro, für Mitglieder frei


DO 12. NOVEMBER 2015
DIE DACHSTUBE / DAS TRIBUNAL FÜHRUNG DURCH DIE AUSSTELLUNG

Darmstadt gehörte ab 1915 neben Hannover, Hamburg, Kiel und Düsseldorf zu einem der wichtigsten Nebenzentren des Deutschen Expressionismus. Die Ausnahmesituation einer Gruppe literarisch und künstlerisch hochbegabter Schüler führte zur Gründung der Vereinigung „Die Dachstube“, die das gleichnamige Flugblatt herausgab, an das sich die politische Zeitschrift „Das Tribunal“ 1919 bis 1921 anschloss. Der Kurator der Ausstellung, Claus K. Netuschil, wird die Entwicklung des Kreises skizzieren, aufgrund seiner 40-jährigen Forschung Zusammenhänge sichtbar machen und eine Einordnung in den Deutschen Expressionismus versuchen.

Beginn: 19 Uhr Treffpunkt: In den Räumen des Kunst Archivs Eintritt: 5 Euro, für Mitglieder frei


SA 21. NOVEMBER 2015
KUNSTHALLE SCHIRN FRANKFURT/MAIN: “DANIEL RICHTER. HELLO, I LOVE YOU“ FÜHRUNG DURCH DIE AUSSTELLUNG

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© VG Bild-Kunst

Auch für ein Archiv, das sich nicht nur auf Vergangenes konzentriert, sondern gleichfalls den Blick auf die gegenwärtige Kunstszene richtet, ist die Auseinandersetzung mit aktueller Kunst ein zentrales Anliegen. So wie die Künstler des Dachstubenkreises um 1918 unmittelbar mit ihren Werken auf das Zeitgeschehen reagierten, bedeutet die Beschäftigung mit Daniel Richter eine intensive Begegnung mit gesellschaftlichen Themen und der zeitgenössischen Kunst. Richter, der neben Berlin, Paris und Zürich auch in Los Angeles, New York und Vancouver ausstellte, wird in einer Einzelpräsentation mit einer konzentrierten Auswahl in der Frankfurt Schirn zu sehen sein. In der Präsentation setzt er sich, wie bereits in vergangenen Jahren, mit den prinzipiellen Möglichkeiten der Malerei auseinander. „Für mich ist das Malen eine Form des Denkens, und die Dinge, die man für diese Form des Denkens benötigt, macht man sich gefügig.“ Insofern bezieht er sich stets auf den sozialen und politischen Kontext, unter Bezugnahme auf die Historienmalerei, die er in die massenmediale Gegenwart transportiert. Dabei hinterfragt er die Utopien unserer Gesellschaft und stellt sie zur Diskussion.

Die Führung dauert eine Stunde, eine Anmeldung ist erforderlich (max. 25 Teilnehmerzahl). Beginn: 15.15 Uhr Treffpunkt: 15 Uhr Eingang Schirn, Frankfurt/Main Eintritt/anteilige Führung: Je nach Teilnehmerzahl ca. 10 Euro


DO 3. DEZEMBER 2015
„DIE ZEIT FORDERT HERAUS …“ MANIFESTE; AUFRUFE UND TEXTE DES DRMSTÄDTER EXPRESSIONISMUS

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© Dokumentation zum Darmstädter Expressionismus / Sammlung Claus K. Netuschil

„Die Zeit fordert heraus! … Nun dürfen wir nicht mehr still sein und uns von den Ereignissen rädern lassen … Wir wollen und dürfen nicht mehr schweigen: Wir warten auf euch, Freunde, auf euer heißestes Herz, euren Mut, sucht Richtung, Wege und Ziele: unhemmbarer Wille zur Zukunft reiße uns hoch, sei unsere gläubigste Losung. Freunde, greift ein!“

Mit ihren Manifesten und leidenschaftlichen Aufrufen wollten die jungen Darmstädter expressionistischen Dichter und Künstler aufrütteln und kämpfen nach dem Ersten Weltkrieg für eine bessere Welt. Die szenische Lesung bringt eine Collage mit Texten von Carlo Mierendorff, Theodor Haubach, Kasimir Edschmid, Wilhelm Michel u.a., in denen das humanistische, politische und künstlerische Wollen und Wirken des Kreises Wortgestalt erhält. … „Ungeheures geschieht … Nicht, daß die Kunst aufhörte, unser letztes heißestes Ziel zu sein. Doch stehen wir an einem Punkte, wo Kunst nur an dem gemessen werden kann, was sie dem ringenden Leben bietet. Brücke zum Unendlichen, vom Zeitlichen ins Ewige, das ist die Kunst. Doch jetzt, wo die Zeit so rießengroß, so schaurig selber mit den letzten Dingen ringt, ist sie selbst das Maß aller Werte geworden und wehe der Kunst, die sie überspringt“.

Beginn: 19 Uhr Treffpunkt: In den Räumen des Kunst Archivs Eintritt: 5 Euro, für Mitglieder frei