DA-Echo 2002

Darmstädter Echo – 31.12.2002 Zeitungsartikel von Sabine Eisenmann

Das Glück stets Kiloweise im Gepäckda-echo

An Silvester haben Glücksbringer Hochkonjunktur. Um das neue Jahr gesund, erfolgreich und fröhlich zu erleben, hoffen viele Menschen seit jeher auf die Wirkung von Glückssymbolen wie Kleeblatt, Schornsteinfeger oder Hufeisen. Hufschmiedin Anna Koch (31) braucht sich über mangelnde Glücksbringer keine Sorgen zu machen. Wenn die Darmstädterin mit ihrem Auto in Stadt und Land unterwegs ist, hat sie das Glück immer kiloweise mit im Gepäck – 50 Hufeisen liegen meist im Kofferraum ihres Kleinwagens. Seit Mai ist Koch staatlich anerkannte Hufbeschlagschmiedin. Täglich versorgt sie die Hufe von etwa fünf Pferden. „Ich wollte schon als Kind Hufschmiedin werden. Das hat mich schon immer fasziniert“, schwärmt sie. Bevor sie jedoch in ihrem Traumberuf arbeiten konnte, hat sie Jahre lang als Maschinenschlosserin gearbeitet und darin ihre Meisterprüfung abgelegt. Am nötigen Handwerkszeug des traditionellen Berufs wie Amboss, Feuerzange, Hufmesser und Hauklinge hat sich bis heute wenig geändert. Lediglich die offene Glut, in der die rund 350 verschiedenen Sorten Hufeisen auf 1000 Grad erhitzt werden, wird vom modernen Hufschmied durch einen tragbaren Propangasofen ersetzt. Aber um den Beruf ausüben zu können, wird mittlerweile eine abgeschlossene Ausbildung in einem Metallberuf verlangt. Anfang des Jahres hat Koch nach viermonatiger Schulung in einer Lehrschmiede in Westfalen ihre Prüfung abgelegt. Schon Jahre vorher hat sie an Wochenenden verschiedene Hufschmiede begleitet. Mit ihrem früheren Lehrschmied und jetzigen Lebensgefährten Ole Meyer (44) landete Koch auch ihren persönlichen Glückstreffer. Ob das an den Hufeisen lag? „Ich bin gar nicht abergläubisch“, überlegt Koch, die von einigen ihrer Kunden auch „Glücksschmiedin“ genannt wird. „Aber die Hufeisen haben mir trotzdem immer Glück gebracht“, sagt sie. „Ich bin absolut glücklich in meinem Beruf.“ Auf die glückbringende Wirkung der Eisen hoffen dagegen einige ihrer Kunden. „Besonders am Jahresende möchten ältere Menschen und Kinder alte Hufeisen haben“, sagt sie. Und welcher Glücksbringer hängt über ihrer Haustür? „Gar keiner“, sagt sie. „Wozu auch? Ich habe sie doch immer dabei.“ Der Glaube an die Kraft des Hufeisens, Böses abzuweisen und Glück zu bringen, ist in der ganzen Welt verbreitet. Überlieferungen über den Ursprung des Glücksymbols gibt es viele. Eine geht auf den heiligen Hufschmied Dunstan zurück. Einst habe er den Huf des Teufels beschlagen und so fest zugeschlagen, dass der Teufel um Gnade winselte. Der Heilige hörte mit dem Hämmern erst auf, nachdem der Teufel versprochen hatte, alle zu verschonen, die ein Hufeisen tragen. Die Symbole werden meist an der Wand oder über Türen aufgehängt, vor allem am Silvesterabend. Unterschiedlich sind die Meinungen über die Position des Eisens. Während viele Bürger die Öffnung nach unten halten, damit das Glück auslaufen kann, sehen andere dagegen in der nach oben zeigenden Öffnung die richtige Position, da das Glück so in das Hufeisen hineinfließen kann.