4 Tage Praxis

Zertifikat PresterIn der letzten Woche habe ich am Seminar: “Angewandte Akupunktur in der Tierheilpraxis” der Naturheilschule von Mechthild Prester in Münster teilgenommen. Das Seminar fand in der Praxis direkt am Pferd statt. Es hat viel Freude gemacht, gemeinsam mit den zwolf Teilehmern, bei Frau Prester und den Pferden zu lernen und zu üben. Mitgebracht habe ich neues Wissen und Energie zur Pferdebehandlung.

Wie ist das mit den Würmern bei Pferden?

Alle Pferde haben Würmer. Diese Tiere leben in Symbiose mit dem gesunden Wirtstier Pferd und schaden Ihm normalerweise nicht. Durch die Würmer wird das Immunsystem trainiert, die Abwehrzellen verhindern das die Würmer bis zur Geschlechtsreife heranwachsen und sich vermehren können. So leben die Würmer in Balance mit den Pferden. Diese Balance wird gestört wenn das Immunsystem geschwächt ist oder die Haltungsbedingungen der Pferde sehr ungünstig sind. Zu den gesunden Haltungsbedingungen gehören gesundes Heu, verschiedene Baumrinden und Kräuter zur Erhaltung der gesunden Darmflora und ein Auslauf oder eine Weide, die täglich von Pferdeäppeln gereinigt wird.

In vielen Ställen werden Pferde regelmäßig prophylaktisch entwurmt ohne vorher abzuklären ob überhaupt ein dramatischer Wurmbefall vorliegt. Meist sind 20 % der Pferde zu 80 % Träger und Ausscheider der Wurmeier. Zu Problemen kommt es wenn verschiedenen Wurmarten Resistenzen gegen die Wurmmittel bilden und das Immunsystem der Pferde durch die ständigen Wurmkuren geschwächt ist. Die verschiedenen Wirkstoffe der Wurmkuren wirken wie Nervengifte auf bestimmte Wurmarten aber auch auf das Pferd selbst. Es muss das Gift verstoffwechseln und ausscheiden. Beeinträchtigt werden vor allem die Darmflora und die Leber.

Schon kurz nach einer Entwurmung kann der Befall so groß oder größer sein als zuvor, wenn es auf der Weide oder beim Grasen zur Aufnahme von Wurmlarven kommt. Hierzu muss man wissen, dass sich Würmer nicht im Darm vermehren, alle benötigen ein Stadium außerhalb des Körpers.

 Würmer mögen junge Tiere

Fohlen und Jährlinge werden bis zum Alter von einem Jahr besonders gern von Spulwürmern befallen, danach werden sie resistent, denn ihr Immunsystem hält die Würmer im Zaum. 011Kommen neue Larven in den Körper, werden sie von Zellen des Immunsystems zerstört und entwickeln sich nicht zum geschlechtsreifen Wurm. Dadurch wird das Immunsystem trainiert.

Für Strongyliden dauert der Immunisierungsprozess bis zum dritten Lebensjahr des Pferdes. Danach ist das Immunsystem trainiert und das Pferd lebt ab diesem Alter mit den Würmern in Balance. Deswegen ist es wichtig das junge Pferde mit Würmern in Berührung kommen. Nur das junge Immunsystem ist sehr lernfähig, das ältere weniger. Hat man dieses Abwehrorgan in der Fohlen- geschädigt, ist es wahrscheinlich, dass diese Schwäche ein Leben lang erhalten bleibt. Solche Tiere sind als erwachsene ständig massiv verwurmt.

Kotproben

Um eine aussagekräftige Kotprobe zu bekommen nimmt man von einem Pferd jeweils etwas von seinen Pferdeäppeln und sammelt das in einem verschließbaren Plastikbehälter über zwei Tage das macht man, weil nicht in jedem Haufen gleichviel Wurmeier drin sein müssen.

Schickt man die Kotprobe dann ins Labor werden die Wurmeier unter dem Mikroskop gezählt. Dafür wird der Kot gewogen und in einer abgemessenen Flüssigkeitsmenge aufgelöst. Das Ergebnis wird in der Zahl der Wurmeier pro Gramm Kot ausgedrückt: EPG (Ei pro Gramm). Dann weiß man wie hoch die Ausscheidung von eierlegenden Würmern in den Pferdedärmen ist. Bei weniger als 200 Wurmeiern pro Gramm ist keine Behandlung notwendig. Erst ab einem EPG > 3000 ist die Zahl der Wurmeier besorgniserregend hoch. Das EPG-Ergebnis ist nie niedriger als 50.

Symptome von starkem Wurmbefall

  • verminderte Leistungsbereitschaft
  • Appetitmangel
  • Durchfall, Kotwasser
  • Koliken
  • scheuern der Schweifrübe
  • dicker Bauch mit sichtbaren Rippen
  • struppiges Fell
  • bei Lungenwürmern Husten und Nasenausfluß

Wie kann man sinnvoll entwurmen?

Würmer sind keine Krankheit, deshalb ist eine Bekämpfung mit chemischen Mitteln nur selektiv sinnvoll, nämlich wenn Tiere tatsächlich befallen sind. Wir entwurmen unsere Pferde etwa zwei mal im Jahr chemisch und füttern über mindestens weitere zwei Perioden Heilkräuter zu, die für eine bessere Darmflora sorgen und von den Würmern nicht geliebt werden. Als Zeitpunkt zur Entwurmung eignet sich die Phase des abnehmenden Mondes, da hier alles leicht losgelassen werden kann. Einige Tage nach der Chemischen Entwurmung scheiden die Tiere viele Wurmeier aus, daher dürfen die Tiere dann nicht auf die Weide, der Auslauf wird täglich abgemistet. Unterstützend geben wir nach der chemischen Kur Effektive Mikroorganismen täglich übers Futter oder direkt ins Maul.

Pflanzliche Wurmmittel, die dazu führen das die Würmer ausgeschieden werden enthalten Bitter- und Scharfstoffe, sowie Strukturen und Aromaten. Hierzu gehören zum Beispiel: Beifuss, Hagebuttenkerne, Kokosraspel, Walnussblätter, Strahlenlose Kamille, Meerrettich, Rainfarn, .. und viele weitere. Pferde lieben das knabbern von verschiedenen Baumrinden, die unter anderem auch Bitterstoffe enthalten und die Darmflora verbessern.

Auch das zufüttern von Propolis kann das Immunsystem stärken und der Kittharz der Bienen wirkt antiparasitär. Für ein Großpferd gibt man 8 Tage lang jeweils 3 Eßlöffel als Pulver oder Tinktur über das Futter.

Welche Wurmarten gibt es ?

Es gibt viele verschiedene Wurmarten, die sich in unterschiedlichen Organen des Pferdes ansiedeln. Einige Würmer leben hauptsächlich im Darm, zum Beispiel Bandwürmer, Strongyliden, Pfriemenschwänze und Spulwürmer. Andere Wurmarten leben im Magen oder der Lunge des Pferdes.

Spulwürmer (Parascaris equorum): Meistens sind junge Pferde von Spulwürmern betroffen, da ältere Pferde oft ein stärkeres Immunsystem haben und sich seltener anstecken. Die Eier der Spulwürmer können jahrelang in der Umwelt überleben. Nehmen die Pferde sie auf, wandern sie während ihrer Entwicklung durch verschiedene Organe. Sie können sowohl die Leber, die Lunge als auch den Darm während ihrer Wanderung beeinträchtigen. Die ausgewachsenen Würmer nisten sich dann im Dünndarm des Pferdes ein.

Kleine Strongyliden (Strongyloides westeri): Die Zwergfadenwürmer befallen vor allem junge Pferde und Saugfohlen. Die Larven der Strongyliden leben im Gras und werden von den Pferden aufgenommen. Fohlen können sich aber auch über die Muttermilch anstecken. Die Larven können auch durch die Haut eindringen, sie wandern durch die Blutgefäße und das Lymphsystem des Pferdes zunächst in die Lunge, dann in die Speiseröhre, den Magen und Dünndarm und bohren sich schließlich in die Schleimhaut des Darms ein.

Große Strongyliden (Strongylus vulgaris): Die Pferde nehmen die Larven des Palisadenwurms beim Grasen auf der Weide auf. In Dickdarm und Blinddarm bilden sie Wurmknötchen, sie dringen in die Blutgefäße des Darms und des Darmgekröses ein.

Pfriemenschwänze (Oxyuris equi): Pferde nehmen sie mit dem Maul auf. Die im Dickdarm lebenden Würmer legen die Eier am Anus des Pferdes ab, wodurch der typische ein Juckreiz an der Schweifrübe entsteht.

Bandwürmer (Ancylocephala): Moosmilben, die auf dem Gras, besonders auf feuchten Wiesen leben dienen als Zwischenwirte, sie nehmen Wurmteile der Bandwürmer auf. Die Pferde fressen infizierte Moosmilben auf der Weide und infizieren sich so mit Bandwürmern. Im Darm des Pferdes entwickeln sich aus disen Stücken (Proglottiden) die erwachsenen Bandwürmer und produzieren neue ansteckende Proglottiden.

Magenwürmer (Habronema): Infizierte Stechmücken können Magenwürmer übertragen. Die Larven wandern aus dem Rüssel der Stechmücke, dringen in die Maulschleimhaut des Pferdes ein und gelangen so in den Magen. Die Pferde können aber auch ganze Fliegen schlucken und sich so mit Magenwürmern anstecken. Die wandernden Larven können in verschiedenen Organen vorkommen; so können sie neben dem Magen auch die Lunge, die Haut (Sommerwunden) und die Augen des Pferdes befallen.

Magendasseln sind keine Würmer, es sind die Larven der Dasselfliege, die sich am DassellarveKehldeckel, im Schlund und in Magen und Darm festhaken und dort Blutsaugen. Ein Nachweis der Dassellarven über den Kot ist nicht möglich. Entwurmt wird mit dem Wirkstoff Ivermectin im Dezember oder Januar, weil sich dann erst die Larven im Magen angesiedelt haben und für das Präparat erreichbar sind. Nach der Wurmkur sind die etwa einen Zentimeter langen, rötlich- braunen Larven im Kot zu finden.

Lungenwürmer (Dictyocaulus): Auch Lungenwürmer nehmen die Pferde mit dem Gras auf. Die aufgenommenen Larven bahnen sich durch die Darmwand einen Weg in die Lymphgefäße. Mit der Lymphe gelangen sie ins Blut und schließlich in die Lunge des Pferdes. Oftmals sind Jungpferde oder Fohlen, die mit Eseln zusammen weiden, von Lungenwürmern betroffen.

Thelaziose und Onchozerkose: Diese Wurmarten befallen vornehmlich die Haut oder die Augen des Pferdes und werden von Mücken und Fliegen übertragen. Filarien von Thelazien können Konjunktivitis verursachen, in der Konjunktiva verborgene Parasiten können mit einer Neoplasie verwechselt werd

Blutegel Behandlung

Für die Blutegel Behandlung werden medizinische Egel verwendet. Die unterschiedlich gezeichneten dunkelbraunen bis olivgrünen Tiere leben in flachen, sauberen Gewässern und können bis zu 15 cm lang und 30 Jahre alt werden.

Der kleine Körper hat an beiden Enden einen Saugnapf, der hintere dient zum Festsaugen, der Saugnapf vorne beinhaltet die Mundöffnung. Hier befinden sich drei Kiefer mit etwa 80 Kalkzähnchen. Damit meißelt der Egel ein dreieckiges Loch in die Haut.

Ein Blutegel kann etwa 30 Gramm Blut aufsaugen, dadurch entsteht eine entstauende und reinigende Wirkung im Gewebe. Beim Biss injizieren die Blutegel ihren Speichel, der etwa 18 medizinisch wirksame Stoffe enthält. Der bekannteste Wirkstoff ist Hirudin, er ist blutverdünnend, entzündungshemmend und antibiotisch.

Nach dem der Egel eine ganze Zeit lang, etwa 30 bis 60 Minuten Blut aus der Wunde gesaugt hat, lässt er sich fallen. Anschließend kann es etwa zwölf Stunden lang zu Nachblutungen kommen. Dadurch wird die Wunde gereinigt und der Stoffwechsel im behandelten Gebiet angeregt.

Eine Blutegeltherapie eignet sich bei Erkrankungen wie

  • Arthrose (z.B. Spat, Hufrolle)

  • Arthritis

  • Hufrehe

  • Sehnen- oder Fesselträger Entzündungen