Roddy Doyle: Alles super

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“Ja, genau”, sagte Raymond. “Der Schwarze Hund der Depression hat der Stadt Dublin das Narrenbein gestohlen.”

Sie hörten ein Schnarchen … ihr Vater war eingeschlafen.

Sie warteten noch ein paar Sekunden.

“Ja, genau”, flüsterte Gloria. “Und sie machen sich Sorgen um Onkel Ben.”

“Der Schwarze Hund ist ihm auf den Rücken gesprungen.”

“Ich habe ihn nicht auf Onkel Bens Rücken gesehen”, flüsterte Gloria. “Du vielleicht, Ray?”

“Nein.”

Es machte ihnen Angst. Es war grauenvoll. Der Schwarze Hund der Depression war auf keinen Fall ein freundlicher Hund, und er war ihrem Onkel auf den Rücken gesprungen. Sie wussten nicht, was der Schwarze Hund dort getan hatte – vielleicht hatte er ihn mit seiner schrecklichen Zunge abgeleckt oder ihm schreckliche Dinge ins Ohr geflüstert. Sie wussten es nicht. Sie hatten ja gerade erst von dem Hund erfahren.

Sie zitterten beide.

“Wir müssen etwas tun”, flüsterte Raymond.

“Was denn?”

“Wir müssen Onkel Bens Narrenbein zurückholen.”

“Ja”, stimmte Gloria zu. Sie flüsterte ebenfalls. “Dann wird Onkel Ben wieder fröhlicher und es geht ihm gleich besser.”

“Dann los.”

“Moment mal”, sagte Gloria. “Was ist ein Narrenbein überhaupt?”

“Das ist ein Knochen. Der Teil vom Körper, der dafür sorgt, dass wir lachen können”, sagte Raymond. “Du weißt doch, so wie das Herz die Stelle ist, in die dein Blut fließt, und die Lunge die Stelle, in die deine Atemluft geht.”

“Ach so.”

“Also”, flüsterte Raymond. “Das Narrenbein ist der Teil von dir, in dem dein Lachen gespeichert ist, bevor du es aufbrauchst.”

“Und der Schwarze Hund hat Onkel Bens Narrenbein gestohlen?”

“Weiß ich nicht genau”; sagte Raymond. “Wahrscheinlich.”

“Und jetzt kann Onkel Ben nicht mehr lachen.”

“Genau”, sagte Raymond. “Oder wenigstens lächeln, außer er gibt sich ganz viel Mühe.”

 

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