Nix Bereuen!

ESSEN OHNE REUE

Vielfach wird angenommen, dass übergewichtige Kinder und Jugendliche einfach zuviel essen. Sicherlich haben Sie dies auch schon zu hören bekommen. Es gibt aber durchaus auch übergewichtige Kinder und Jugendliche, die nicht mehr essen als andere Kinder und Jugendliche. Bei dieser Gruppe ist davon auszugehen, dass der Energieverbrauch gegenüber anderen Kindern erniedrigt ist. Das bedeutet, dass diese Kinder bei alltäglichen Aktivitäten weniger Energie verbrauchen als andere Kinder. Unter Umständen bewegen sie sich auch weniger. Bei einem anderen Teil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher liegt aber in der Tat eine überdurchschnittliche Zufuhr von Kalorien vor. Eine dritte Gruppe isst zuviel und bewegt sich zuwenig.

Jedem ist bekannt, dass es außerordentlich schwierig ist, seine Ernährungsgewohnheiten umzustellen. Menschen haben Vorlieben für bestimmte Speisen. Bei übergewichtigen Menschen finden sich insbesondere Vorlieben für fettreiche und kohlenhydratreiche Nahrungsmittel. Häufig haben sich diese Vorlieben im Lauf von Jahrzehnten herausgebildet. Um so schwerer fallen Veränderungen. Es bedarf großer Willensanstrengung, um selbst einfache Umstellungen der Ernährungsgewohnheiten dauerhaft vorzunehmen.

FOLGENDE GESICHTSPUNKTE SIND VON BEDEUTUNG

1. Es ist wünschenswert, dass Ihre Familie mindestens einmal am Tag zu einer Mahlzeit zusammenkommt. Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrer Familie, welche Mahlzeit dies am besten sein kann. Falls weder das Mittagessen noch das Abendessen in Betracht kommen, sollte dies mindestens für das Frühstück der Fall sein. Achten sie darauf, wie in Ihrer Familie die einzelnen Familienmitglieder essen. Nicht selten kommt es dazu, dass jeder Einzelne sich nach Lust und Laune selbst rasch eine Mahlzeit im Mikrowellenherd aufwärmt und diese dann für sich alleine isst. Hierdurch wird ein unregelmäßiges und unkontrolliertes Essverhalten gefördert, das sich gerade auf Kinder und Jugendliche mit Übergewicht ungünstig auswirkt.

2. Durch das gemeinsame Essen räumen Sie selbst dem Essen in Ihrer Familie eine zentralere Bedeutung ein. Essen ist auch ein soziales Ereignis, bei dem man sich austauschen kann. Versuchen Sie diese Bedeutung des Essens in Ihrer Familie hervorzuheben. Jedes Familienmitglied sollte sich selbst seinen Teller füllen und bestimmen, wie viel es isst. Nur hierdurch kann jeder einzelne die Verantwortung für sein Essverhalten übernehmen.

3. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind regelmäßig die Hauptmahlzeiten zu sich nimmt. Dies gilt insbesondere für das Frühstück. Das Auslassen des Frühstücks kann zur Mittags- und Nachmittagszeit das Aufkommen von Heißhunger begünstigen. Nicht selten werden deshalb um so größere Essensmengen eingenommen. Es ist zu betonen, dass gerade das Einhalten von regelmäßigen Mahlzeiten einen ganz wesentlichen Fortschritt für übergewichtige Kinder und Jugendliche bedeutet.

4. Zwischenmahlzeiten können sehr helfen, ein besseres Essverhalten zu fördern. Geben Sie Ihrem Kind ein Pausenbrot, einen Joghurt oder ähnliches mit in die Schule. Auch am frühen Nachmittag oder am späten Abend kann eine Zwischenmahlzeit hilfreich sein. Im Prinzip ist sinnvoller, drei Hauptmahlzeiten und drei Zwischenmahlzeiten zu festgelegten Zeitpunkten einzunehmen als ein oder zwei Mahlzeiten herunterzuschlingen, bei denen große Mengen vertilgt werden.

5. Verdeutlichen Sie Ihrem Kind und sich selbst, welche zentrale Funktion das Essen in unserem Leben hat. Hierzu kann ein Tischgebet oder das Aufsagen eines Spruchs vor der Mahlzeit hilfreich sein. Ein gutes Essen sollte entsprechende Tischmanieren nach sich ziehen. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, dass langsames Essen den größten Genuss bietet. Das Essen sollte stets gut gekaut werden. Vor dem Mittag- bzw. Abendessen kann ein Glas Wasser den Hunger etwas dämpfen. Dazu eignet sich auch gut ein Salat vor der eigentlichen Mahlzeit.

6. Falls Sie sich im Hinblick auf die in Ihrer Familie praktizierten Kochgewohnheiten beraten lassen wollen, können Sie über Ihren Hausarzt oder Ihrer Krankenkasse Kontakt mit einer Diätassistentin aufnehmen. Einige Krankenkassen bieten spezielle Ernährungs- bzw. Kochkurse an. Auch ein Buch, dass Hinweise zum kalorienbewussten Kochen enthält, kann helfen.

7. Achten Sie auf die Trinkgewohnheiten Ihres Kindes. Es gibt Kinder und Jugendliche, die über den Tag verteilt große Mengen süßer Limonaden oder Tees zu sich nehmen, die wiederum erheblich zur Gesamtmenge eingenommener Kalorien beitragen. Kakao und Milch sind weitere stark kalorienhaltige Getränke. Sie selbst können Ihrem Kind helfen, indem Sie solche Getränke nicht mehr kaufen und für Ersatz sorgen (z. B. Mineralwasser und zuckerfreie Getränke einschließlich Tee).