Langzeit

Warum ist Adipositas so gefährlich für die Zukunft?

Wer als Kind übergewichtig war, wird mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsener seine Pfunde nicht mehr loswerden. Andererseits gilt jedoch: 40 bis 70 Prozent aller adipösen Erwachsenen sind erst als Erwachsene so dick geworden. Das Risiko, dass ein adipöses Kind auch als Erwachsener adipös bleibt, hängt von drei Faktoren ab:

Eins
Je älter ein adipöses Kind ist, desto wahrscheinlicher besteht die Adipositas fort. Demnach ist das Risiko, dass aus einem dicken Säugling ein dicker Erwachsener wird, nur geringfügig höher als beim Bevölkerungsdurchschnitt. Andererseits beträgt das Risiko, dass ein dicker Jugendlicher auch im Erwachsenenalter weiterhin adipös ist, ca. 60%. Somit stellt eine Adipositas im Jugendalter ein hohes Risiko für eine Adipositas im Erwachsenenalter dar.

Zwei
Je extremer eine Adipositas im Kindesalter ausgeprägt ist, desto wahrscheinlicher besteht sie im Erwachsenenalter fort.

Drei
Falls einer oder beide leibliche Elternteile adipös sind, steigt das Risiko, dass ein dickes Kind auch als Erwachsener dick bleibt. Am höchsten ist das Risiko für das Fortbestehen einer Adipositas demnach für ältere und zugleich extrem adipöse Kinder, bei denen zusätzlich mindestens ein Elternteil ebenfalls adipös ist.

FOLGEN FÜR ADIPÖSE ERWACHSENE

Adipöse Menschen haben schlechtere Aufstiegschancen im Beruf – unabhängig von sozialer Herkunft, Intelligenz und Ausbildung. Darüber gibt es einige Studien. In Amerika erhalten Übergewichtige pro Jahr 6.700 Dollar weniger Lohn als Schlanke. Nicht nur, dass Dicke für ihr Aussehen finanziell bestraft werden – auch ihre Chancen, jemals zu heiraten, sind Studien zufolge deutlich geringer. Bei der Partnersuche werden Übergewichtige diskriminiert, die Wahrscheinlichkeit einer festen Beziehung ist deutlich geringer als bei Normalgewichtigen. Dabei sind dicke Frauen noch mehr benachteiligt als dicke Männer (20 Prozent gegenüber elf Prozent weniger Wahrscheinlichkeit zu heiraten). Bei einer Umfrage unter Studenten erwiesen sich Kokainsüchtige, Ladendiebe oder körperlich Behinderte als begehrenswertere Partner als ein dicker Mensch.

Auch wenn hierzu keine genaue Untersuchungen vorliegen, spricht vieles dafür, dass das Image des Übergewichtigen noch vor wenigen Jahrzehnten deutlich besser war. Noch 1970 gaben viele Menschen an, dass sie gern mit einer stark übergewichtigen Person befreundet sein würden. Erst ab Mitte der Siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts haben sich die Einstellungen gewandelt. Dünne Menschen passen heute besser zu unseren Vorstellungen einer Leistungsgesellschaft. Dünne sind aktiv, dynamisch, leistungsfähig… Dicke Menschen fallen also aus dem Raster; Freundlichkeit, Wärme und Mitmenschlichkeit sind weniger gefragte Werte. In den USA ist die Stigmatisierung der Menschen mit Adipositas bereits mit der Stigmatisierung von Schwarzen in den Sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts verglichen worden.
Benachteilung von Menschen mit Adipositas ist allgegenwärtig. In der Schule, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis und beim Arztbesuch – überall der gleiche Vorwurf: Warum hast du dich nicht besser unter Kontrolle?

GESUNDHEITLICHE LANGZEITFOLGEN

Das Risiko für Bluthochdruck ist bei Adipösen erhöht. Der Hochdruck kann Herzrhythmusstörungen bewirken und begünstigt, dass Ablagerungen die Gefäße verengen oder verstopfen: Arteriosklerose. Herztod und Schlaganfall werden wahrscheinlicher. Mit jedem Pfund, das man zwischen 30 und 42 Jahren zulegt, steigt das Risiko, am kranken Herzen zu sterben, um ein Prozent. Zu hohes Körpergewicht steigert Abrieb und Verschleiß der Gelenke. Die Arthrosegefahr steigt. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko, eine Zuckerkrankheit zu entwickeln (Typ 2 Diabetes mellitus oder Altersdiabetes): Das Zucker regulierende Hormon Insulin wird zwar noch hergestellt, wirkt aber nicht mehr richtig. Die früher nur bei älteren Menschen als “Altersdiabetes” diagnostizierte Stoffwechselstörung bahnt sich immer häufiger bei dicken Jugendlichen an. Ihnen drohen in späteren Jahren Herzinfarkt, Gefäßleiden und Erblindung. Das Krebsrisiko ist ebenfalls erhöht.