Psychische

Warum ist Adipositas so gefährlich für die Seele?

Viele körperliche Schäden stellen sich erst nach Jahren ein. Die psychosozialen Folgen ihres Übergewichtes erfahren dicke Kinder hingegen sofort. Übergewichtige Erwachsene mit einem gesunden Selbstbewusstsein können eventuell mit den Demütigungen ihrer Umwelt umgehen, ohne dass sie schwer zu kämpfen haben. Aber nur wenige Jugendliche mit Übergewicht sind selbstbewusst genug, sich nicht ständig benachteiligt zu fühlen. Ihr Selbstwertgefühl muss sich erst noch festigen und ist stark abhängig von den Reaktionen ihrer Mitmenschen.

Kinder können grausam sein. Bereits im Kindergarten werden die kleinen runden Menschen gehänselt. Dort fallen Ausdrücke wie “Fette Sau” oder “Speckmonster”. Später müssen dicke Teenies den Spott ihrer Klassenkameraden ertragen. Sie erleben soziale Ausgrenzung und entwickeln Minderwertigkeitsgefühle. Als Sport- und Spielpartner sind sie genauso wenig geschätzt wie als Freund, da sie das Ideal einer schlanken Figur nicht erfüllen. Folge: Die Kinder ziehen sich immer mehr zurück.

GUMMIBÄRCHEN SPENDEN TROST

Oft ersetzen Computer und Fernseher die fehlenden Freunde, Sport macht ohnehin keinen Spaß mehr, denn der Spott der Klassenkameraden ist dabei am ärgsten. Und welches Kind ist beim Laufen und Toben schon gerne der Letzte? Studien zeigen, dass dicke Kinder deutlich mehr Zeit vor dem Fernseher verbringen als normalgewichtige Kinder. Dicke Kinder meiden körperliche Aktivitäten und entziehen sich damit der Möglichkeit, gegen ihr Übergewicht vorzugehen. Einige Kinder kompensieren die ungewollte Einsamkeit und mangelnde Zuwendung mit Essen und begeben sich in einen Teufelskreis: Das Kind nimmt immer mehr zu, fühlt sich immer schlechter und isst daraufhin noch mehr. Den Kummer der Kleinen versüßen Schokolade und Gummibärchen.

Hinzu kommen Schuld- und Schamgefühle bis hin zum Selbsthass. Diese Komplexe aus der Kindheit können Narben in der Seele hinterlassen. Das Minderwertigkeitsgefühl hält oft bis ins Erwachsenenalter an, selbst wenn äußerlich kein Grund mehr dafür besteht. Wir alle – als Einzelperson, als Familie und Gesellschaft – müssen dafür Sorge tragen, dass aus dicken Kindern nicht auch noch psychisch kranke Kinder werden.