Diagnose

Wann ist ein Kind adipös?

Ist das Kind bereits gefährlich dick oder hat es nur ein paar harmlose Speckröllchen zuviel auf den Rippen? Diese Frage ist in manchen Fällen nicht so leicht zu beantworten, denn jedes Kind entwickelt sich individuell und sollte auch so beurteilt werden. Tabellen, Formeln und statistische Angaben bieten jedoch wichtige Orientierungshilfen für Eltern und Ärzte. Bislang gab es keine eindeutigen Richtlinien zur Definition und Beurteilung von Übergewicht und Adipositas von Kindern und Jugendlichen. Da größere Kinder natürlich mehr wiegen als kleinere, gilt es die Körperhöhe mit zu berücksichtigen. In den vergangenen Jahren hat sich der Body-Mass-Index (BMI) als Kriterium herauskristallisiert, um das gewissermaßen körperhöhen-bereinigte Gewicht zu ermitteln.

Der BMI errechnet sich nach der Formel: Gewicht durch das Quadrat der Körpergröße. Eine Person, die 70 Kilogramm wiegt und 1,70 m groß ist, rechnet: 70:(1,70 x 1,70) = 24,22. Liegt der BMI bei Erwachsenen unter 18,5 kg/m², lässt das auf Untergewicht schließen. Wer einen Wert zwischen 25 und 30 hat, gilt nach den Kriterien der WHO als übergewichtig und trägt bereits ein leicht erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen. Ein BMI von über 30 steht eindeutig für Adipositas, wobei diese in drei Schweregrade eingeteilt wird (siehe Tabelle 1).

BMI

Tabelle 1: Definition verschiedener Gewichtsklassen bei Erwachsenen gemäß den WHO Richtlinien (1998)

BMI-BEREICH GEWICHTSKLASSE

unter 18,5 kg/m²….. Untergewicht
18,5-24,9 kg/m² ….. Normalgewicht
25-29,9 kg/m²….. Übergewicht
30-34,9 kg/m²….. Adipositas Grad I
35-39,9 kg/m²….. Adipositas Grad II
über 40 kg/m²….. Adipositas Grad III

BESTIMMUNG UND EINTEILUNG DES BMI ERSETZT NICHT DAS DENKEN!

Der BMI hat sich in zahlreichen internationalen Studien sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen hervorragend bewährt. Dennoch: Der BMI berücksichtigt nicht die Körperzusammensetzung. Ein Bodybuilder (z.B. ein Gewichtheber) hat häufig einen vergleichsweise hohen BMI. Dieser beruht aber nicht auf zuviel Fett, sondern auf seinen ansehnlichen Muskelpaketen. Also, schauen Sie hin: Manche Kinder sind muskulöser als andere gebaut; selbstverständlich ist der BMI solcher Kinder auch höher, ohne dass dies als gesundheitlich bedenklich einzustufen wäre. Um die gesundheitliche Bedeutung eines hohen BMI bzw. eines hohen BMI-Perzentils einschätzen zu können, ist es wichtig festzuhalten, ob die betreffende Person tatsächlich zuviel Fett hat. Hierzu eignen sich z.B. Messungen der Dicke diverser Hautfalten. Es gibt aber auch verschiedene Verfahren, die Körperzusammensetzung – d.h. der Anteil der Fettmasse bzw. Magermasse (Knochen, Muskeln, Organe) – zu bestimmen.

APFEL ODER BIRNE?

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Für die Gesundheit entscheidend ist auch, wo die überflüssigen Pfunde sitzen. Wie das Fett im Körper verteilt ist, manifestiert sich zwar erst am Ende der Pubertät. Dennoch kann man auch schon bei Kindern Tendenzen erkennen. Die Mediziner unterscheiden zwischen zwei Typen: Apfel und Birne. Menschen mit Bauchfett (Apfelform) leiden häufiger an Krankheiten wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder Arteriosklerose als Menschen mit zuviel Pfunden an der Hüfte und den Oberschenkeln (Birnenform). Als Maß für die Fettverteilung wird der Taille/Hüft-Quotient (Waist / hip-ratio) berechnet. Gemessen wird mit einem Messband, stehend, die Arme leicht abgespreizt. Der Taillenumfang wird in der Mitte zwischen Becken-Oberkante und unterster Rippe gemessen, der Hüftumfang auf der Höhe der größten Breite. Von einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung ist auszugehen, wenn der Taille/Hüft-Quotient bei Frauen größer als 0,80, bei Männern größer als 1 ist.